Wie man in Krisen kreativ bleibt

Für mich gibt es kaum eine größere Energie für Kreativität als eine Krise. Das musste ich selbst erfahren und konnte es in manchen Unternehmen und Organisationen staunend beobachten. Krisenhafte Gewitter geben mehr Rückenwind als ein lauer Sommermorgen, an dem wir uns ganz entspannt fragen, wo denn die Reise wohl hingehen könnte, wenn man sich denn aufmachen wollte ... Das hat mehrere Gründe:

1. Krisen geben uns den unaufschiebbaren Anlass, endlich einmal Bestandsaufnahme zu machen und das Business nicht as usual abzuarbeiten – verbunden meist mit einer gewissen Prokrastinationsaffinität.

2. Krisen decken relativ schonungslos unsere Schwächen auf – aber auch unsere Stärken. Was hat Zukunftspotenzial? Wo müssen wir schnell handeln, wo besonnen und langsam? Was gilt es endlich zu lassen, zu verändern, hinzu zu nehmen? Wen brauchen wir dazu? Was brauchen wir dazu?

3. Krisen machen Tempo. Wenn Unternehmen das Wasser bis zum Hals steht, sollten sie zum einen den Kopf nicht hängen lassen und zum anderen endlich die lang geduldeten Wege und Gewohnheiten schnell (aber nicht panisch) verlassen, die schon lange ohne Perspektive und Sinn waren. Lean Thinking, Smart Thinking, keine rückwärts gewandte Schuldzuweisung.

4. Krise, ja überhaupt welche Krise? Mut und Stärke sind die besten Widerstände im Krisenmodus, der uns aus Angst lähmen könnte. Mut heißt Neues zu wagen, rauszugehen in das Netzwerk, aber auch weiter zu den attraktiven Blue Oceans. Mut heißt alles zu mobilisieren, was an Innovationskraft und Reserven vorhanden ist. Und das Attribut der Stärke sorgt für Ausdauer. Wer Kraft hat, kann auch länger. Ausdauer schlägt fast alles. Wer durchhält, lässt Viele und Vieles hinter sich. Auch die eine oder andere Krise.

Fazit: Kreativität ist in der Krise eine Art Fragenkatalog mit couragierter und souveräner Leitfunktion, der in die konstruktive Richtung führt und Leute anzieht und einspannt, die die Krise in die Hand nehmen, statt sich ihr hilflos und dystopisch ausgeliefert zu sehen. Oder wie es einer meiner Lieblingsschriftsteller Max Frisch einmal passend erwähnte: „Krise ist ein produktiver Zustand. Man muss ihr nur den Beigeschmack der Katastrophe nehmen.“

Das dafür eine gelingende Kommunikation der Erfolgsgarant ist, darf ich als Kommunikationsberater und Konfliktmoderator ergänzend anraten. Positionsgehacke und Judging, Finger Pointing und Bedeutungsgewinnduelle wirken wie grober Sand im Krisengetriebe und bringen uns nicht nach vorne. In der Krise zeigt sich, wer das Team aufrufen kann und wem das Team vertraut. Rückblicke in mühsamen Disputen sind allenfalls aufschlussreich, jedoch nur im Hinblick auf das zu entdeckende Guthaben, mit dem oft eine bessere, ertragreichere Zukunft formbar ist.

Oliver Fink

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Ich weiß es nun – aber kann ich es auch?

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Interview mit Inhaber Oliver Fink